Seltene Nutztiere der Alpen


Erhaltungsprojekte

Heute zählt man alpenweit (nur) noch 169 autochthone Nutztierrassen und -schläge. Nicht weniger als rund 78 % davon, das sind 131 Rassen und Schläge sind zumindest gefährdet. Viele von ihnen findet man auf Roten Listen und zahlreiche sind vom Aussterben bedroht. Das ist kaum zu glauben, wenn man bedenkt, dass sie im Alpenraum auf eine 7000-jährige Kulturgeschichte zurückblicken.

Durch den sozioökonomischen Wandel in der Landwirtschaft hat sich die Kulturlandschaft des Alpenraumes in den vergangenen 150 bis 200 Jahren massiv verändert. Siedlungsentwicklung und Mechanisierung sowie Leistungsoptimierung in der Landwirtschaft führten zu flächenhaften Veränderungen unserer Kulturlandschaft. Die Neuorientierung der landwirtschaftlichen Produktion, der Verlust des freien Weidegangs oder die Auflösung von Gemeinschafsweiden bedeutete für viele Nutztiere unterschiedlicher Kategorien das Aus. Es vollzog sich vielfach ein Wandel von der extensiven Weide- zur intensiven Stallhaltung. Beispielhaft dafür steht das Weideschwein, das im ausgehenden 19. Jahrhundert fast gänzlich aus der Kulturlandschaft des Alpenraumes verschwand und durch englische Zuchten ersetzt wurde. Mit diesem strukturellen Wandel sind auch viele unserer extensiven und über Jahrtausende angepassten Landschläge verschwunden. Sie wurden durch leistungsbetontere, auf bestimmte Leistungsmerkmale spezialisierte Rassen und in weiterer Folge durch Hybridrassen ersetzt.

Als ganz gewöhnlich blieben sie unbeachtet, schreib zu Anfang des 20. Jahrhunderts Albert Heim, der Begründer der Schweizer Sennenhundezucht. Bereits vor über 100 Jahren beschäftige Nutztierwissenschaftler das Verschwinden alteingesessener Nutztierrassen. Nicht nur der Geologe und passionierte Kynologe Heim, sondern auch Gelehrte im Umfeld von Professor Leopold Adametz erkannten die Gefahr des Verlustes alteingesessener Nutztierrassen. Steinschaf, Montafoner Schaf oder Duxer Rind (heute Tux-Zillertaler) waren Thema wissenschaftlicher Arbeiten. Der erste Weltkrieg und die Weltwirtschaftskrise sorgten dafür, dass diese kritischen Betrachtungsweisen rasch begraben wurden und in Vergessenheit gerieten.

Sprichwörtlich „fünf vor Zwölf“, gegen Ende der 1970er Jahre, entwickelte sich, ausgehend von wildbiologischen Fachkreisen in der Schweiz, eine neue Bewegung zur Erhaltung der domestizierten Artenvielfalt.

Seit über 30 Jahren gibt es in Österreich mit der Österreichische Nationalvereinigung für Genreserven und dem Verein Arche Austria Institutionen, die sich um die Erhaltung gefährdeter Nutztierrassen bemühen. Aber engagierte Menschen, Querdenker, Idealisten, Bergbauern ist es aber in erster Linie zu verdanken, dass sie mit viel Engagement und Liebe zu ihren Tieren diese alten Tierzuchttraditionen am Leben gehalten haben.

Der teilweise unsensible Umgang in der einschlägigen Fachliteratur förderte oftmals die Popularität nicht bodenständiger Rassen, da Zuchttiere oftmals nach speziellen Leistungsmerkmalen oder nach ihrem äußeren Erscheinungsbild und weniger aufgrund ihrer regionalen Eignung von interessierten Züchterinnen ausgewählt werden. Aber auch in der Tierzucht trug und trägt leider immer noch die Forcierung nicht heimischer Rassen mit Schuld am Verschwinden alpiner Rassen und Schläge.

Das nahm ich zum Anlass ein Buch zu schreiben, das erstmals einerseits alle autochthonen Nutztierrassen des Alpenbogens behandelt und anderseits einen regionalen Bezug zwischen den Nutztieren und ihren Ursprungsgebieten herstellt. Die Züchterporträts in meinem Buch verdeutlichen, wie eng die verschiedenen Rassen und Schläge mit den regionalen Bewirtschaftungstraditionen und regionalen naturräumlichen Umweltbedingungen verwoben sind. Will man die genetische Breite dieser Nutztiere mit all ihren besonderen Eigenschaften und Anpassungen erhalten, so gelingt dies nur in deren Ursprungsgebieten, unter jenen Haltungsbedingungen, unter denen diese Rassen und Schläge entstanden sind.

Im Zuge der mehrjährigen Recherchen für mein Buch über die seltenen Nutztiere der Alpen konnte ich noch Landschläge von Nutztieren entdecken, die wie Heim es schrieb: „… als ganz gewöhnlich unbeachtet blieben“.


Erhaltungsprojekt Steinhendl

Das Erhaltungsprojekt für das steirische Steinhendl, auch Steinpiperl oder Stoahendl, ist die jüngste österreichische Initiative zur Bewahrung heimischer, vom Aussterben bedrohter Nutztierrassen. Dieser kleine, rund 450-650 Gramm leichte Geflügelschlag aus der Steiermark und den angrenzenden Regionen stellt noch den züchterisch nicht verbesserten Landhuhn-Schlag der östlichen Ostalpen dar. Die Tiere sind sehr ursprünglich. Die selbstbewussten Hennen besitzen noch einen ausgeprägten Bruttrieb und sind besonders fürsorgliche Glucken. Im Gegensatz dazu hat man bei den meisten Wirtschaftsrassen den Bruttrieb weggezüchtet, um eine kontinuierliche Legeleistung zu gewährleisten.

Hier geht´s zum Erhaltungsprojekt Steinhendl >>


Erhaltungsprojekt Bergspitz

Er zählt zu den ältesten Gebrauchshunden der Alpen. Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war der Bergspitz treuer und unentbehrlicher Begleiter der Bergbauern und Almhirten. Vor allem in Osttirol gab es kaum eine Alm, deren Bewirtschaftung ohne Bergspitz zu bewältigen war. Er galt als besonders arbeitswilliger, selbstbewusster und dennoch behutsamer und intelligenter Treibhund auf Rinder-, Schaf- und Ziegenalmen. Dennoch verdrängte der vor rund 20 Jahren in Mode gekommene Border Collie rasch den Bergspitz von seinem angestammten Platz. Heute bedauern viele Almbauern den Verlust dieses für Tirol typischen Hundeschlages.

Hier gehts zum Erhaltungsprojekt Bergspitz >>

Das Alpine Steinschaf

In Bearbeitung

Die Blobe Ziege

In Bearbeitung

Video:

www.youtube.com/watch?v=3QQ35d0yTJo

Neu-Tiroler Huhn

In Bearbeitung


Erfahrungswissen erhalten

Mit dem Verlust regionaler Nutztierrassen geht auch das Wissen über die Tiere und deren traditionelle Haltungs- und Nutzungspraktiken verloren. Besonders zu Beginn von Erhaltungsmaßnahmen für vom Aussterben bedrohter Nutztieren ist das Wissen über deren typisches Aussehen, Eigenschaften und Nutzung von besonderem Interesse. Es ist nützlich bei der Ausarbeitung von Rassestandards und hilft das genetische Potential der Tiere auch entsprechend nützen und erhalten zu können.

Wissen Sie etwas zu erzählen vom steirischen Steinhendl (Stoapiperl), vom Tiroler Bergspitz oder von anderen gefährdeten Nutztierrassen? Bitte melden Sie sich bei mir und geben Sie Ihr Wissen weiter. Das Wissen wird gesammelt und weitergegen und fließt in die aktuellen Erhaltungsbemühungen ein.

Kontaktieren Sie mich
Günter Jaritz
Unkenberg 15
5091 Unken
Tel.: +43 (0)664 4048314
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!