Seltene Nutztiere der Alpen

 

Seltene Nutztiere der Alpen

Rund 1.000 Kilometer lang und durchschnittlich knapp 200 Kilometer breit. Ein Verbund von 100 Regionen, unterschiedlichen Sprachen, Kulturen und Traditionen. Die Alpen sind nicht nur Wirtschafts- und Kulturraum von über 13,9 Millionen Menschen, sondern auch Lebensraum von 131 gefährdeten und vom Aussterben bedrohten Nutztierrassen. 

Ohne Haustiere keine Kulturlandschaft. Seit rund 7.000 Jahren begleiten Nutztiere den Menschen im Alpenraum. Erst mit ihnen konnten die Naturlandschaften der Alpen nutzbar und zu Kulturlandschaften gemacht werden. Unter der Obhut des Menschen wurden Wildtiere zu zahmen Nutztieren. Mit der Besiedelung der Alpen gelang den frühen Bergbauern eine weitere große Kulturleistung - die Anpassung der an trockenes und warmes Klima gewöhnten Tiere an die extremen Witterungs- und Haltungsbedingungen des Alpenraumes. Unsere heimischen alteingesessenen Nutztierrassen sind damit ein lebendiger Teil unserer alpinen Kultur.

Das Buch - „Seltene Nutztiere der Alpen – 7000 Jahre geprägte Kulturlandschaft“
Als Landschaftsökologe befasse ich mich beruflich mit dem Schutzgebietsmanagement sowie mit der Erhaltung gefährdeter Lebensräume, Tier- und Pflanzenarten. Die Erhaltung autochthoner Nutztierrassen ist mir privat ein besonderes Anliegen. Bei verschiedenen Projekten lassen sich beide Themen oft in idealerweise miteinander verbinden. www.almenvielfalt.com. Durch ihre oft ganz speziellen Anpassungen an bestimmte Landschaftsräume und Haltungs- sowie Nutzungsbedingungen zeigen alteingesessene Nutztiere meist deutliche Parallelen zu Wildtieren. Mit dem einen Unterschied, dass der Mensch durch züchterische Selektion die Anpassung an den Lebensraum Alpen maßgeblich mitbestimmt hat. Vor rund 150 bis 200 Jahren begann der Mensch seine Nutztiere nicht nur mehr nach funktionellen Kriterien zu selektieren. Mit dem Streben nach mehr Leistung und Spezialisierung entstanden neue spezialisierte Rassen. Dem strukturellen und soziökonomischen Wandel sind viele unserer über Jahrhunderte und Jahrtausende angepassten und bewährten Nutztiere zum Opfer gefallen. Oftmals gerieten sie als etwas ganz Gewöhnliches beinahe in Vergessenheit. Das steirische Steinhendl, das urtümliche Landhuhn der Steiermark ist ein gutes Beispiel dafür.

Bereits in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts erkannten Wissenschaftler im Umfeld von Professor Leopold Adametz die Gefahr des Verlustes alteingesessener Nutztierrassen. Der erste Weltkrieg und die Weltwirtschaftskrise sorgten dafür, dass diese kritischen Betrachtungsweisen rasch begraben wurden und in Vergessenheit gerieten. Erst Ende der 1970er Jahre setzte in Mitteleuropa, ausgehend von Deutschland und der Schweiz eine Trendwende ein. Im Umfeld der Wildbiologie entwickelte sich ein Bewusstsein für den Wert heimischer Nutztierrassen und man wurde auf den drohenden Verlust autochthoner Rassen und Schläge aufmerksam.

Mittlerweile stehen die wenigen noch verbliebenen Rassen auf der Roten Liste! Floren- und Faunenverfälschung wurde bei wildlebenden Tier- und Pflanzenarten mittlerweile als europäisches, wenn nicht sogar globales Problem erkannt. Aber auch in der Tierzucht trug und trägt leider immer noch die Forcierung nicht heimischer Rassen mit Schuld am Verschwinden alpiner Rassen und Schläge. Der teilweise unsensible Umgang in der einschlägigen Fachliteratur förderte zudem die Popularität fremdländischer Rassen.

In meinem reich illustrierten Buch habe ich daher erstmals alle autochthonen Nutztierrassen des Alpenbogens behandelt. Über drei Jahre bereiste ich die verschiedenen Regionen der Alpen, um ganz besondere Menschen mit ihren gefährdeten Tieren in ihren Ursprungsgebieten zu besuchen. Die Züchterporträts sollen verdeutlichen, wie eng die verschiedenen Rassen und Schläge mit den regionalen Bewirtschaftungstraditionen und regionalen naturräumlichen Umweltbedingungen verwoben sind. Will man die genetische Breite dieser Nutztiere mit all ihren besonderen Eigenschaften und Anpassungen erhalten, so gelingt dies nur in deren Ursprungsgebieten, unter jenen Haltungsbedingungen, unter denen diese Rassen und Schläge entstanden sind.

Mit meinem Buch möchte ist einen Denkanstoß dazu geben, regionale Aspekte bei der Haltung und Zucht von Nutztieren stärker zu berücksichtigen.

Zum Inhalt.

Im Buch „Seltene Nutztiere der Alpen – 7000 Jahre geprägte Kulturlandschaft“ finden Sie Wissenswertes über die Kulturlandschaftsentwicklung des Alpenraumes, die untrennbar mit unseren autochthonen Nutztieren verbunden ist. Ein ausführliches Kapitel befasst sich mit der Historie der alpinen Nutztierrassen, ihrer Zuchtgeschichte von den Anfängen bis heute. Gegliedert nach den verschiedenen Regionen der Alpen finden Sie detaillierte Beschreibungen aller gefährdeten Rassen und Schläge. Erstmals werden die ursprünglichen Verbreitungsgebiete der heimischen Nutztiere in Kartenform dargestellt.

   

Züchterporträts beschreiben lebendig engagierte Menschen, Querdenker, Idealisten. Bergbauern, die mit viel Engagement und Liebe zu Ihren Tieren diese alten Tierzuchttraditionen am Leben erhalten. Ich führe Sie zu den letzten ortsstämmigen Hirtenhunden Osttirols und Savoyens und besuchte die kleinsten Rinder der Alpen, das Evolèner Vieh des Wallis. Man erfährt Erstaunliches über die Esel der Provence, die letzten schwarzen Alpenschweine und die seltenen blauen Ziegen Tirols.